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Die christliche Geschichte Ohrdrufs

Die Stadt Ohrdruf hat eine interessante und abwechslungsreiche Geschichte des christlichen Glaubens, ist die Stadt doch nach Arnstadt und Mühlberg einer der am frühesten genannten Siedlungen in Thüringen. Wir möchten Sie einladen, mit uns einen kleinen Streifzug durch die Jahrhunderte zu machen, im Jahre 724/725 beginnend bis in die heutige Zeit.

 

760 Durch den Biographen des Bonifatius, Willibald, hat die kleine Siedlung an der Ohra schon eine frühe Bezeugung um diese Zeit nach Christi Geburt bekommen. Hier hat der vom Papst ernannte Missionsbischof Bonifatius ohne festen Sitz um

724 / 725 sein erstes Kloster mit der Michaeliskapelle in Thüringen erbaut und eine Missionsschule gegründet. In dieser Klosterschule wurden die Priester ausgebildet und in die Thüringer Lande ausgesandt, noch bevor die später für Thüringen wichtigen Klöster Hersfeld und Fulda gegründet wurden.

777 Lullus gründet rechts der Ohra die Peterskirche, die geistlicher Verwaltungssitz Thüringens wurde.


961 König Otto I. unterzeichnet auf seiner Reise zur Kaiserkrönung in Rom in Ohrdruf wichtige Urkunden.

980 Erhebung der Peterskirche zum Stift mit 15 Domherren, im Hochmittelalter der Augustinerregel unterstellt.

1000 Um diese Zeit war Ohrdruf der Sitz einer hersfeldischen Vogtei, die im Hochmittelalter durch die Grafen von Kevernburg sowie Graf Erwin II. von Gleichen ausgeübt wird.

14. Jahrhundert Unter den neuen gräflichen Vögten aus dem Hause Gleichen-Tonna wird Ohrdruf Stadt. Das hiesige Stift St. Peter wird nach Gotha verlegt.


1463 Karmeliten-Brüder kommen in das inzwischen verwaiste Peterskloster. Sie führten den Schulunterricht weiter. Nach der Auflösung des Klosters wurde dort durch den Mönch Hieronymus Lateinunterricht gehalten.


1525 In der Lorenz-Kapelle, auf dem Langen Leich, wird von dem Laienprediger Philipp Knappe die erste evangelische Predigt gehalten.


1532 Ohrdruf wird Sitz eines Konsistoriums, einer Superintendentur.


1564 Die gräflichen Brüder Philipp Ernst und Hans Ludwig gründen eine Schulstiftung, die um 1623 zum Lyzeum erhoben wurde.


1630 / 1631 Das Geschlecht der Grafen von Gleichen stirbt in der männlichen Linie mit Graf Johann Ludwig aus, das süddeutsche Grafenhaus Hohenlohe/Langenburg/Neuenstein wird Lehens-Erb- und Rechtsnachfolger der Obergrafschaft Gleichen.


1695 - 1700 Johann Sebastian Bach war in diesem Zeitraum Schüler am Ohrdrufer Lyzeum. Bei seinem älteren Bruder, Johann Christoph Bach, erlernte er das Cembalo- und das Orgelspiel. Eine kleine überlieferte Anekdote berichtet, wie der 10 bis 12jährige Johann Sebastian mühevoll Nacht für Nacht heimlich Noten aus dem Notenschrank des Bruders herausholte und abschrieb. Diese Anektode gibt schon einen Hinweis auf die Bedeutung von Johann Christoph Bach für die Überlieferungsgeschichte eines Teils des Alt-Bach´schen Archivs. Die Nachkommen von Johann Christoph Bach prägten 173 Jahre lang hier in Ohrdruf als Organisten, Kantoren und Lehrer das kirchliche und kulturelle Leben der Stadt mit.

1839 - 1859 Ernst Carl Christian Bach, der Urenkel von Johann Christoph Bach, war in Ohrdruf Superintendent. Nach ihm wurde ursprünglich die Bach-Straße benannt.


1858 Johann Bernhard Bach führt als Sportlehrer in der Ohrdrufer Schule den Sportunterricht ein, und sein Bruder Friedrich Bernhard Bach war 1860 einer der Gründer des Ohrdrufer Sportvereins. Sie brachten so die Idee der Schnepfenthaler Christian Gotthilf Salzmann und dessen Mitarbeiter Johann Christoph Guths Muths unter dem Wahlspruch "Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei" nach Ohrdruf.


1900 Auf dem Gut Birnbaum bei Ohrdruf bildet sich eine pietistische Gemeinschaft. Schon mit dem Aufkommen des Pietismus im 17. Jahrhundert durch Franke wurde sich in Ohrdruf mit dieser persönlich frommen Glaubensrichtung auseinander gesetzt. Wir haben in unserer Bibliotheca ecclesiastica ordruviensis ein Sammlung von pietistischen und antipietistischen Schriften des Superintendenten Melchior Krohmayer.


1909 Mit Errichtung des Truppenübungsplatzes entstand auch das Soldatenheim, das den christlichen jungen Männern eine Heimat bieten wollte. Der Leiter dieses Heimes, Diakon Deschner, wurde hier in Ohrdruf Landesjugendwart des CVJM. Die Geschäftsstelle wurde nach dem 2. Weltkrieg nach Neudietendorf verlegt.


1945 Nach dem 2. Weltkrieg kamen viele katholische Flüchtlinge nach Ohrdruf, so dass sich eine katholische Kirchgemeinde bildete. Nach vielen räumlichen Veränderungen hat sie nun ihre Kirche an der Heuwaage gefunden.


1991 Am 15. Oktober, nach mehr als 460 Jahren, hat Ohrdruf wieder ein kleines Karmelitenkloster.


2007 Die beiden letzten Karmeliten-Brüder verlassen Ohrdruf und gehen in größere Häuser ihres Ordens nach Springiersbach und Mainz.

 

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Die seit 2008 im Rahmen der Schloßhofsanierung durchgeführten Ausgrabungen des Landesamtes für Denkmalpflege haben teilweise bekannte Tatsachen erhärtet und um viele Details ergänzt. Man kann deren Ergebnisse als geradezu spektakulär bezeichnen. Mit St.Peter & Paul besaß Ohrdruf eine der ältesten steinerne Kirchenbauten Thüringens. Ebenso bedeutsam sind die Folgebauten und die Steinkistengräber der Chorherren.Details sind unter  http://www.thueringen.de/denkmalpflege/tlad/grabung/frame_grabung.htm nachzulesen. Im Schloßmuseum ist mit  September 2011 eine Sonderaustellung geplant.

Auch auf der Homepage der Stadt Ohrdruf finden Sie einen interessanten Artikel zur Geschichte der Stadt Ohrdruf. Da die Ohrdrufer Stadt- und Kirchengeschichte eng zusammenhängen, möchten wir Ihnen auch diese Seiten empfehlen:

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